Packt eure Koffer und begleitet uns auf eine geschmackvolle Schlemmertour durch die Niederlande! Was viele nicht wissen: Holländisches Essen ist viel mehr als nur Käse und Stroopwafels. Wir nehmen euch mit auf eine kulinarische Horizonterweiterung durch das Land der Windmühlen und zeigen euch, welche Köstlichkeiten ihr hier probieren müsst.
Überblick
Von herzhaften Wintergerichten bis hin zu süßen Versuchungen – Lasst uns gemeinsam eintauchen in die Vielfalt der niederländischen Küche. Ihr werdet überrascht sein, wie bodenständig und gleichzeitig raffiniert holländisches Essen sein kann. Also, macht es euch gemütlich und lasst euch inspirieren von den besten Gerichten, die unsere Nachbarn zu bieten haben! Die Nationalgerichte der Niederlande sind geprägt von der langen Geschichte als Seefahrer- und Handelsnation. Durch den frühen internationalen Austausch, besonders mit den ehemaligen Kolonien, fanden exotische Gewürze und neue Zubereitungsarten ihren Weg in die holländischen Töpfe. Gleichzeitig blieb man seiner bäuerlichen Tradition treu: Deftige Eintöpfe, frisches Gemüse aus dem eigenen Anbau und natürlich die Milchprodukte spielen eine zentrale Rolle.
Was die holländische Küche auszeichnet, ist ihre Ehrlichkeit – Hier wird gekocht, was die Region hergibt. An der Küste findet ihr fangfrischen Fisch, im Binnenland deftige Sättigungsbeilagen und überall im Land eine große Auswahl an Gemüse. Die Niederländer haben eine besondere Beziehung zum gemeinsamen Essen: Das „gezellig” (gemütlich) zusammensitzen und genießen gehört zur Kultur wie die Windmühlen zur Landschaft. Besonders spannend ist auch die moderne Interpretation traditioneller Gerichte. In den letzten Jahren hat sich eine innovative Food-Szene entwickelt, die alte Rezepte neu interpretiert und dabei Wert auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte legt.
Geschichte - Was isst man in Holland?
Die Geschichte der niederländischen Küche reicht weit zurück und wurde maßgeblich durch die geografische Lage des Landes geprägt. Im Mittelalter waren es vor allem einfache, nahrhafte Gerichte aus Getreide und Hülsenfrüchten, die den Speiseplan bestimmten. Der große Wendepunkt kam im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der Niederlande: Seefahrer brachten exotische Gewürze und neue Zutaten ins Land. Besonders der Handel mit den ostindischen Kolonien bereicherte die Rezepte um Zugaben wie Muskat, Nelken und Zimt. Die Entwicklung der modernen niederländischen Kochkunst wurde auch stark von der Landgewinnung beeinflusst. So genannte Polder, dem Meer abgerungenes Ackerland, ermöglichten einen intensiven Gemüseanbau. Und die berühmte Milchwirtschaft entwickelte sich ebenfalls auf diesen fruchtbaren Weiden.
Traditionen
Was die Bräuche angeht, so spielt das gemeinsame Essen eine zentrale Rolle im niederländischen Alltag. Das „Koffietijd” am Nachmittag ist eine fest etablierte Tradition, bei der Kaffee oder Tee mit süßem Gebäck serviert wird. Die „Borrelzeit” am frühen Abend ist ein weiteres soziales Ritual, bei dem kleine Snacks wie Bitterballen oder Käsehäppchen zu Getränken gereicht werden.
Typisch niederländisch ist auch das „Uitgebreid ontbijten” – das ausgiebige Frühstück am Wochenende mit verschiedenen Brotsorten, Aufschnitt, Käse und gekochten Eiern. Familienmahlzeiten werden oft mit der „Toetje” (Dessert) abgeschlossen, einer Tradition, die bis heute gepflegt wird. Bei besonderen Anlässen wie Geburtstagen gibt es den „Verjaardagskring” – einen Kreis aus Stühlen, in dem gemeinsam Kaffee und Kuchen genossen werden.
Vorspeisen
Die Niederländer lieben es, ihre Mahlzeiten mit kleinen, aber feinen Vorspeisen zu beginnen. Lasst euch überraschen von der abwechslungsreichen Vielfalt der holländischen Appetithäppchen!
Bitterballen (fleischhaltig)
Diese knusprigen Kroketten sind der absolute Klassiker der holländischen Küche. Die kleinen, runden Happen werden aus einer dickflüssigen Ragout-Masse hergestellt, die mit fein gehacktem Rindfleisch, Gewürzen und Petersilie verfeinert wird. Sie wird paniert und goldbraun frittiert. Das Ergebnis: außen kross, innen cremig-weich. Serviert werden Bitterballen traditionell mit scharfem Senf. Vorsicht beim ersten Bissen – Die Füllung ist nicht selten sehr, sehr heiß!
Garnalenkroketten (fischhaltig)
Eine Delikatesse der besonderen Art sind die Garnalenkroketten. Für die Füllung werden Nordseegarnelen mit Béchamelsauce, feinen Kräutern und einem Schuss Weißwein zu einer cremigen Masse verarbeitet. Die Kombination aus knuspriger Panade und der zarten, würzigen Garnelenfüllung macht sie zu einer beliebten Vorspeise. Serviert werden sie meist auf einem großzügigen Salatbett mit frischer Zitrone und hausgemachter Remouladensauce.
Haring met Uitjes (fischhaltig)
Ein Klassiker der niederländischen Küche ist der rohe Matjeshering mit gehackten Zwiebeln. Die Fische werden nach traditioneller Art eingelegt und filetiert. Serviert wird das Ganze manchmal auch mit sauren Gurken. Die traditionelle Art, einen „Hollandse Nieuwe” zu essen, ist den Hering am Schwanz zu halten und ihn von oben in den Mund gleiten zu lassen. Alternativ wird er auch klein geschnitten auf Pumpernickel oder Roggenbrötchen serviert.
Gefüllte Champignons (vegetarisch)
Eine gerne bestellte vegetarische Vorspeise sind gefüllte Champignons. Große Pilzköpfe werden mit einer Mischung aus Frischkäse, geriebenem Gouda, Knoblauch und feinen Kräutern gefüllt. Im Ofen überbacken entwickeln sie ein würziges Aroma. Serviert werden sie oft mit einem kleinen Salatbouquet und Weißbrot. Die Kombination aus dem erdigen Geschmack und der cremigen Füllung macht sie zu einem beliebten Entrée.
Suppen und Eintöpfe
Die niederländische Suppenkultur ist eng mit dem rauen Klima verbunden. In einem Land, das vom Wind und Wetter geprägt ist, wärmen deftige Eintöpfe Körper und Seele. Die Zubereitung ist oft zeitintensiv, aber das Ergebnis lohnt sich: Geschmackvolle, sättigende Gerichte, die besonders in den Wintermonaten nicht von den Speisekarten wegzudenken sind.
Erwtensoep (fleischhaltig)
Diese berühmte holländische Suppe ist so dick, dass der Löffel darin stehen bleibt. Spalterbsen werden mit Schweinefleisch, Räucherwurst, Kartoffeln, Sellerie, Lauch und Karotten stundenlang gekocht. Das Ergebnis ist eine cremige, extrem sättigende Wohltat. Traditionell wird sie mit Roggenbrötchen und Speck serviert. Der Eintopf schmeckt am nächsten Tag noch besser und ist ein typisches Wintergericht, das besonders nach dem Schlittschuhlaufen genossen wird.
Boerenkool Stamppot (fleischhaltig)
Kommen wir nun zu einem Paradebeispiel für die niederländische „Stamppot”-Kultur. Grünkohl wird mit Kartoffeln, Zwiebeln und Speck zu einem cremigen Püree verarbeitet. Dazu gibt es traditionell eine geräucherte Wurst (Rookworst) und eine reichhaltige Bratensauce. Der Grünkohl wird erst nach dem ersten Frost geerntet, was ihm einen besonders süßlichen Geschmack verleiht. Ein echtes Wintergericht, das Generationen von Holländern großgezogen hat.
Bruine Bonensoep (fleischhaltig)
Das Rezept ist denkbar einfach: Braune Bohnen, verschiedene Gemüsearten und Räucherspeck landen im Topf. Die Hülsenfrüchte werden über Nacht eingeweicht und dann langsam mit Zwiebeln, Karotten, Sellerie und Gewürzen gekocht. Zum Schluss kommt mancherorts auch Rookworst (Rauchwurst) hinzu. Serviert wird die Suppe mit frischem Brot und oft mit einem Schuss Essig. Ein perfektes Gericht für kalte Tage!
Hauptspeisen
Freut euch auf Bodenständigkeit und regionale Zutaten. Ob Fleisch, Fisch oder Gemüse. Die Niederländer verstehen es, aus einfachen Produkten schmackhafte Gerichte zu zaubern. Dabei spielt auch die Nähe zum Meer eine wichtige Rolle, denn frischer Fisch gehört zu den Grundpfeilern der weltweit beliebten holländischen Küche.
Hutspot met Klapstuk (fleischhaltig)
Ein klassisches Wintergericht aus Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln, die zusammen zu einem cremigen Püree verarbeitet werden. Dazu wird zartes, lang geschmortes Rinderfilet serviert. Die Möhren geben der Kreation eine natürliche Süße, während die restlichen Zutaten für würzige Tiefe sorgen. Das Fleisch wird stundenlang geköchelt, bis es auf der Gabel zerfällt. Serviert wird das Ganze mit der konzentrierten Bratensauce und manchmal auch mit extra Butter.
Kibbeling (fischhaltig)
Ursprünglich aus den Backen des Kabeljaus hergestellt, heute meist aus Filet, ist Kibbeling ein beliebtes Fischgericht. Die Stücke werden in einem würzigen Bierteig frittiert, bis sie goldbraun und knusprig sind. Serviert wird mit einer speziellen Knoblauch- oder Remouladensauce, Zitrone und oft auch frischem Salat. Ein beliebtes Street Food, das ihr an fast jeder Ecke findet.
Stamppot Zuurkool (fleischhaltig)
Diese Variante des klassischen Stamppot wird mit Sauerkraut zubereitet. Die säuerliche Note des Kohls wird durch das cremige Kartoffelpüree perfekt ausbalanciert. Dazu gibt es traditionell eine geräucherte Wurst (Rookworst) und eine reichhaltige Sauce. Manchmal werden auch Speckwürfel oder Äpfel untergemischt, die dem Gericht zusätzliche Geschmacksnuancen verleihen.
Gehaktballen (fleischhaltig)
Hinter dem wohlklingenden Namen verbergen sich große Hackbällchen. Sie sind ein echtes Comfort Food. Das Fleisch wird mit Zwiebeln, Gewürzen und Brotkrümeln zu großen Kugeln geformt und dann langsam in Butter gebraten. Die äußere Kruste wird knusprig braun, während das Innere saftig bleibt. Serviert werden sie traditionell mit Senf, Kartoffelpüree und geschmortem Gemüse. Die Sauce wird aus dem Bratenfond zubereitet.
Asperges met Ham (fleischhaltig)
Wenn im Frühjahr die ersten weißen Spargel geerntet werden, findet ihr dieses Nationalgericht der Niederlande auf jeder Speisekarte. Das Gemüse wird traditionell mit gekochtem Schinken, zerlassener Butter und holländischer Sauce serviert. Dazu gibt es Neue Kartoffeln und oft auch gekochte Eier. Die Zubereitung ist simpel.
Paling in 't Groen (fischhaltig)
Ein traditionelles Fischgericht mit geräuchertem Aal in einer grünen Kräutersauce. Der Fisch wird in einem Saft aus Petersilie, Kerbel, Sauerampfer und Spinat serviert. Anschließend wird das Ganze mit Butter verfeinert und erhält durch die Gewürzpflanzen ihre charakteristische grüne Farbe. Angerichtet wird das Gericht mit Kartoffeln und manchmal auch grünen Bohnen.
Nachspeisen
Die holländische Dessertkultur ist geprägt von süßen Versuchungen, die oft eine lange Tradition haben. Viele der beliebten Nachspeisen haben ihren Ursprung in der bäuerlichen Küche, wo man aus einfachen Zutaten Köstliches zauberte.
Poffertjes (vegetarisch)
Die kleinen, fluffigen Pfannkuchen sind eine beliebte Süßspeise. Der Teig wird aus Buchweizenmehl hergestellt und in speziellen Poffertjes-Pfannen gebacken. Die Leckerbissen werden traditionell mit reichlich Puderzucker und einem Stück Butter serviert. In moderneren Versionen findet ihr sie auch mit Schokoladensauce oder Schlagsahne. Ein beliebter Snack auf Jahrmärkten.
Appeltaart (vegetarisch)
Der niederländische Apfelkuchen unterscheidet sich von anderen Varianten durch seine Höhe und die großzügige Füllung. Der Mürbeteig wird mit einer Mischung aus Obst, Rosinen, Zimt und manchmal auch Mandeln gefüllt. Charakteristisch ist das Gittermuster auf der Oberseite. Serviert wird die Appeltaart leicht warm mit Schlagsahne. Die landestypische Kombination aus knuspriger Kruste und aromatischem Inneren macht sie zu einem zeitlosen Klassiker.
Vla (vegetarisch)
Diese cremige Vanillepudding-Variante ist ein typisch niederländisches Dessert. Die Konsistenz ist flüssiger als bei einem klassischen Vertreter. Vla wird aus Milch, Eiern, Zucker und Vanille hergestellt und kalt serviert. Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen wie Schokolade, Karamell oder Frucht. Oft wird Vla auch mit Kekskrümeln zu einer „Vla Flip” geschichtet.
Getränke
Unser Nachbarland hat eine vielfältige Getränkekultur zu bieten. Das Bekannteste ist sicherlich das Bier. Aber auch der Genever, der Vorläufer des Gins, stammt aus den Niederlanden. Im Alltag wird viel Kaffee getrunken, wobei die Einheimischen ihren „Koffie” gerne stark und in geselliger Runde genießen. Ein typisch holländisches Heißgetränk ist „Anijsmelk”, warme Milch mit Anis, die besonders an kalten Wintertagen beliebt ist. Eine weitere Spezialität ist der „Advocaat”, ein cremiger Eierlikör.
Vegetarisch und vegan essen
Holländisches Essen entwickelt sich stetig weiter und passt sich modernen Ernährungstrends an. Viele traditionelle Gerichte lassen sich problemlos vegetarisch oder vegan zubereiten. Stamppot zum Beispiel ist perfekt für vegane Variationen geeignet – statt tierischer Produkte werden verschiedene Gemüsesorten und pflanzliche Proteine verwendet.
In den größeren Städten wie Amsterdam, Rotterdam und Den Haag findet ihr eine lebendige Restaurant-Szene. Moderne Köche interpretieren traditionelle Gerichte neu: Bitterballen werden mit Pilzen oder Gemüse gefüllt, für Stamppot werden kreative pflanzliche Alternativen zur Rookworst angeboten und selbst der klassische Hering findet in Kreationen wie der geräucherten Karotte eine interessante vegane Alternative.